Senatsrat Dipl.Ing.Johann Albrecht zum Gedenken

Aus dem Sternenboten 11/2010.

Am 7.Oktober 2010 verstarb in Wien Senatsrat i.R.Dipl.Ing.Johann Albrecht, Ehrenvorsitzender des Österreichischen Astronomischen Vereins. Am 22.Oktober geleitete ihn eine große Trauergemeinde bei strahlendem Sonnenschein am Wiener Zentralfriedhof zur letzten Ruhe.- Er wurde am 14.Oktober 1912 als Sohn eines Oberlehrers in Wien geboren. Schon früh freute er sich an Musik und besonders an Astronomie. Nach Abschluß seines Studiums an der Technischen Hochschule in Wien 1937 trat er als Bauingenieur in die Dienste der Stadt Wien. Aus dem österreichischen Bundesheer wurde er zur Deutschen Wehrmacht überstellt. Dann kam er zu den Pionieren im Rußlandfeldzug. Dort wurde er beim Bau großer Holzbrücken eingesetzt und empfand nicht nur deren Zerstörung beim Rückzug als besonders deprimierend.- Nach glücklicherweise nur kurzer Gefangenschaft wieder in Wien, war er bis zum Eintritt in den Ruhestand in der Magistratsabteilung Kanalbau der Stadt Wien an einer führenden Stelle tätig: Etwa Bauaufsicht bei der 1.Österreichischen Kläranlage / Hauptkläranlage / alle Kanal-Umbauten im Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau / 13 Jahre Schriftführer des Normenausschusses mit 1.Norm für Tiefbau / Mitarbeit beim UNESCO-Projekt 50-52. Auch war er aktives Mitglied der Kirchenchöre St.Rochus, St.Elisabeth, Piaristenkirche, Wr.Schubertbund, Lichtenthaler Männergesangverein, Rundfunkchor u.a.! Die TU Wien verlieh ihm 2007 das Platinerne Ingenieurdiplom.

Schon als Student war er im Kreis um Professor Oswald Thomas anzutreffen, dessen Vorträge er mitstenographierte und dann peinlich genau ins Reine schrieb. Er erzählte oft davon und von der damaligen "himmelskundlichen Szene", u.a. vom Verein "Freunde der Himmelskunde" - "FredeHi".- Nach dem Krieg war er im "Astroverein" Mitglied und übernahm nach dem Tod von Prof.Thomas 1963 den Vorsitz, den er ununterbrochen bis 2004 - 41 Jahre! - innehatte. Bewundernswert war seine Führung der Jahresversammlungen: "Gerade nur soviel Bürokratie, daß kein Chaos ausbricht" war seine Devise und manch eine Vorstandssitzung wurde zur "Vorstandsstehung".

Auf seine Nachfolge bereitete er mit freundschaftlicher Sorgfalt Univ.-Prof.Dipl.Ing.Dr.Robert Weber vor und stand auch unserer Gesellschaft als deren Ehrenpräsident weiter hilfreich zur Seite. Auch bei der Planung und Errichtung des Freiluftplanetariums Wien am Georgenberg war er vor allem beim Umgang mit Behörden und Firmen stets mit fachlichem Rat zur Stelle - so etwa ganz charakteristisch bei der Planung der Art der Markierungsspangen am Nordweg und am Schrägmast, die in einem arbeitsreichen Nachmittag am Urlaubsort in Berndorf bei Kuchen und Kaffee besprochen und beschlossen wurde. Das Bild zeigt ihn bei der Festveranstaltung zur Eröffnung des Freiluftplanetariums am 9.Oktober 1997 im Festsaal des Liesinger Rathauses, vollendet mit seinem Ausspruch "Ich hätte nicht gedacht, daß wir es schaffen"!

Wir alle, die ihn gekannt haben, trauern um einen guten Menschen. Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt besonders seiner Frau, die fast 70 Jahre an seiner Seite war, sowie seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln. Auch ich habe einen väterlichen Freund verloren - aber er begleitet uns von jenseits der Sterne.

Prof.Hermann Mucke


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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 31.Okt.2010