Österreichischer Astronomischer Verein -- Aufgaben und Ziele

Von Dr. Gottfried Gerstbach, 1. Vorsitzender des ÖAV
(verfasst im Febr. 2018 anlässlich eines Artikels für die "Vereinigung der Sternfreunde", Stuttgart)

Freiäugige Astronomie im Sterngarten – Schul- und Jugendgruppen – Vereinsabende – Exkursionen – Planetenweg – Hobby-Astronomie – Arbeitsgruppe Sonnenuhren – Meteorforschung – Kooperationen – Kontaktadressen – Literatur

Der Österreichische Astronomische Verein ist mit etwa 750 Mitgliedern die größte Gesellschaft der Sternfreunde in Österreich. Er wurde 1924 von Univ.-Prof. Oswald Thomas gegründet, dem – ähnlich wie Robert Henseling in Deutschland – die Verbreitung astronomischen Wissens ein großes Anliegen war. In der Öffentlichkeit bekannt wurde Thomas vor allem durch seine monatlichen "Sternwanderungen" entlang des Sommerhaidenwegs am Michaelerberg, bei den Weinbergen im Westen von Wien. Zu diesen etwa 450 Abenden (im Sommer auch ganzen Nächten), die er 50 Jahre lang selbst betreute, kamen in manchen Jahren über tausend Interessierte. Sie begründeten die Tradition freiäugiger Sternführungen, die bis heute einen Schwerpunkt des Astronomischen Vereins im Wiener Raum bilden.

1963 übergab Prof. Thomas diese Agenden und das bereits 1907 gegründete "Astronomische Büro" an den jungen Physiker Hermann Mucke, den späteren Leiter der Urania-Sternwarte und des Wiener Planetariums.

Prof. Mucke ist nach wie vor das Herz des Astrovereins und hat durch seine lebendige Art der Sternführungen Hunderte junger Leute für die Himmelskunde begeistert. Viele von ihnen sind bis heute aktive Vereinsmitglieder und betreuen den "Sterngarten" auf dem Georgenberg am südlichen Stadtrand von Wien, bei dessen Errichtung 1997 sie zahlreiche Ideen und Leistungen einbrachten. Andere wurden Mitarbeiter am Planetarium oder der Urania, erstellen astronomische Computerprogramme oder waren Vortragende beim alljährlichen "Sternfreunde-Seminar".

Sterngarten: Astronomie mit freiem Auge

Der Sterngarten – von Mucke auch Freiluftplanetarium genannt – ist eine fast 1 Hektar große Anlage der Horizontastronomie, welche zusätzlich die scheinbare Drehung des Sternhimmel und den Jahresverlauf der Sonnenbahn demonstriert. Sie liegt am Rand eines Naturschutzgebiets, das zu den "Erholungsräumen Niederösterreich - Wien" gehört. Durch die weithin sichtbaren, 17 Meter hohen Masten zieht sie viele Wanderer sowie Besucher der nahen Wotruba-Kirche an, einer architektonischen Besonderheit aus den Jahren 1974-76.

Ursprünglich hatte Prof. Thomas 1952 einen "Sternenhain" am Plateau des Laaerberges (Wien X) geplant, wo auch eine Astronomische Station der Österreichischen Landesvermessung lag. Das Projekt ließ sich jedoch bis 1969 nicht verwirklichen, sodass es Mucke für Wien XXIII umplanen musste.

Der Sterngarten soll den Besuchern die "obere Hälfte der Welt" bewusst und erlebbar machen, besonders den jahreszeitlichen Verlauf der Sonnenbahn. Ein etwa 15 Meter langer Schrägmast parallel zur Erdachse dient als Zeiger einer begehbaren Sonnenuhr (Bild oben). Auf der Spitze des nördlichen Meridianmastes (Bild links) demonstriert eine glänzende Scheibe die Tagesbahn des Polarsterns, wenn man auf der Mitte der Plattform steht. Von dort gesehen, markieren 6 Sonnensäulen die jahreszeitlichen Auf- und Untergangspunkte der Sonne, die Dämmerungsdauer und den Einfluss der Refraktion.

Sonnenbahn und Mondsichel

Mehrmals im Jahr – speziell zum Frühlings- und Sommerbeginn – zeigen wir am Südmast die variable Sonnenhöhe und durch den Schatten des Nordmastes ihren Meridiandurchgang. Der Vortragende muss sich da auch auf skurrile Fragen gefasst machen, die zeigen, wie weit sich manche Städter von den natürlichsten Grundlagen des Lebens entfernt haben. Wer weiß, dass die Jahreszeiten mit der Erdbahn zusammenhängen, kann beinahe schon als Experte gelten. Da wird der Bildungsauftrag der Astrovereine hautnah spürbar.

Viele Besucher können sich z.B. die Entstehung der Mondphasen nicht erklären. Andrerseits interessiert manche Weitgereiste, wieso die abendliche Mondsichel in den Tropen sozusagen "auf dem Rücken liegt". Da kann auch die beste Erklärung lange Diskussionen zwischen den Teilnehmern auslösen.

Als einem Zuseher die Mittagsmessung am Schatten der Polscheibe zu ungenau war, kam die Idee auf, sie durch elektronische Lichtmessung zu verfeinern. Seitdem sind einige Sekunden keine Hexerei mehr.

Nachthimmel und Lichtverschmutzung

Der Nachthimmel am Georgenberg ist trotz seiner Meereshöhe von nur 331 m für eine Großstadt erstaunlich dunkel. Grenzhelligkeiten von 4,5 bis 5 mag sind häufig, während es auf der bekannten, aber zentrumsnahen Urania-Sternwarte nur 3 bis 4 mag sind. Die Sicht auf den hügeligen Horizont gibt den Besuchern ein Gefühl von Freiheit und lässt sie den Sternhimmel umso mehr genießen. Selbst in der kalten Jahreszeit finden sich bei den im Internet, einigen Zeitungen und im ScienceCenter-Netzwerk angekündigten Führungen bis zu 50 Interessenten ein (Bild). Darunter auch manche Zufallsgäste, die nach einer Wanderung im nahen Naturschutzgebiet am Schaukasten vorbeikommen.

Wer öfters Sternführungen macht, freut sich darauf, wenn die Besucher in der Dämmerung die ersten Sterne entdecken. Wer als erster den Großen Wagen findet, wird es als nette Anerkennung empfinden, wenn ihm eine kleine Sternkarte überreicht wird. Das spornt wiederum Andere an, auch gleich den Polarstern zu suchen.

Besondere Momente sind jene, wo manchmal auch am Stadtrand die Milchstraße sichtbar wird. Es fasziniert mich, wenn sie bei besonders gutem Himmel allmählich wirklich zu leuchten beginnt. Für die meisten Stadtbewohner ist dies ein Neuheitserlebnis – sogar für beginnende Sternfreunde meiner "Jungen Beobachtergruppe".

Wenn man dann die Blicke der Führungsteilnehmer zur nahen Stadt mit ihrer Dunstglocke lenkt, wird Manchem das Ausmaß der Lichtverschmutzung deutlich. Dann kann man auch von zunehmenden Schlafstörungen reden oder den Milliarden Insekten, die jede Nacht beim Umkreisen schlecht konstruierter, zuviel Blau abstrahlender Straßenlampen umkommen.

Schul- und Jugendgruppen

Für interessierte Jugendgruppen und für astronomische Exkursionen von Schulklassen ist im ÖAV vor allem Mag. Franz Vrabec tätig, der auch langjähriges Mitglied der Vereinigung deutscher Sternfreunde ist. Einige innovative Instrumente gehen auf ihn zurück, z.B. ein kleiner Globus mit verschiebbarem Horizont, Zusatzgeräte für die Sonnenprojektion, Finsternisbrillen und sogar Experimente zur Spektroskopie. Eine Maturantin fertigte mit seiner Hilfe eine Ekliptikscheibe zur Demonstration der Mond- und Planetenörter (Bild links). Ein größeres Exemplar verwenden Hermann Mucke bzw. Norbert Pachner, wenn es – etwa bei Planetenkonjunktionen – auf höhere Genauigkeit ankommt. Auch handysüchtige Schüler werden hellwach, wenn es um Sonnenflecken, die Chemie von Spektrallinien oder um eine selbstgebaute Camera obscura geht.

Junge Beobachtergruppe

Wie viele Vereine ist auch der unsere von Überalterung (oder besser "Unterjüngung") betroffen. Um dem vorzubeugen, habe ich im vergangenen Herbst (Oktober 2017) eine "Junge Beobachtergruppe" ins Leben gerufen, deren eMail-Verteiler sich in wenigen Monaten bereits mit 20 Namen gefüllt hat. Die ersten zwei Abende waren mit nur 5 Teilnehmern etwas enttäuschend, doch im Frühjahr wird es sicher intensiver.

Von April bis Juni werden – nach dem Kennenlernen der Teleskope und der jeweiligen Interessenslage – folgende Objekte am Programm stehen:

An Teleskopen stehen derzeit ein 20cm-Cassegrain und ein 30cm-Dobson zur Verfügung. Die Go-to-Steuerung möchte ich erst einsetzen, wenn ein wenig Star-hopping geübt wurde. Für den 2. oder 3. Abend könnten die Leute ihre eigene Beobachtungsliste erstellen. Sobald das funktioniert, sollen sich die Teilnehmer selbst (per Facebook etc.) organisieren. Natürlich muss vorher die Verantwortung geklärt und eine passende Instrumenten-Versicherung abgeschlossen sein.

Drei öffentlich gut erreichbare Beobachtungsplätze haben sich als ausreichend dunkel und störungsfrei erwiesen: der Nordwestrand des Sterngartens, ein Parkplatz am Wienerwaldsee und ein Hügel oberhalb von Tullnerbach.

Die meisten in der Jungen Beobachtergruppe sind Studenten der TU Wien. Für sie mache ich vorbereitende Übungen zur Optik von Teleskopen, wo sie mit den Zusammenhängen von Ein- und Austrittspupille, Lichtstärke, Vergrößerung und Gesichtsfeld Erfahrung sammeln. Im Bild rechts wird die Vergrößerung kleiner Teleskope durch beidäugigen Vergleich von direktem und Fernrohrbild ermittelt.

Vereinsabende

Neben der freiäugigen Astronomie und der Unterstützung von teleskopischen Beobachtungen ist dem Astroverein wichtig, die moderne Astronomie durch monatliche Fachvorträge zu vermitteln. Sie werden von Wissenschaftern und erfahrenen Mitgliedern gehalten. Bei der Leitung des Abends wird darauf geachtet, dass nachher auch laienhafte Diskussionsbeiträge Platz haben.

Beispielhaft seien die Themen des Vereinsjahres 2017/18 angeführt:

Vier der Vorträge werden (bzw. wurden) von Hochschullehrern gehalten. Der bevorstehende Abend "Persönliche Beobachtungserlebnisse von Mitgliedern" stellt einen Versuch dar, bei dessen Gelingen er jedes Semester stattfinden könnte.

Exkursionen und freie Beobachtungsabende

Außer Sternführungen und Referatabenden veranstaltet der Astronomische Verein jedes Jahr zwei oder drei Exkursionen zu Sternwarten, Instituten oder Ausstellungen in Wien oder den Bundesländern statt. Im Kalenderjahr 2018 liegt der Schwerpunkt in Oberösterreich:

  • 18. Feber: Fahrt nach Freistadt (Mühlviertel) zur Fotoausstellung von Gerald Rhemann "30 Jahre Astrofotografie" und zum Teleskophersteller ASA Astrosystems (gemeinsam mit dem Verein Antares, St. Pölten)
  • 5. Mai: Busfahrt nach Kremsmünster (Benediktinerstift seit 777): Sternwarte ("Mathematischer Turm", ältestes Hochhaus Europas), Instrumenten- und physikalische Sammlung, astro-geodätischer Fundamentalpunkt Gusterberg, sowie Kunstsammlungen des Stifts
  • Oktober (geplant): Fahrt nach Linz zum 400-jährigen Kepler-Jubiläum.

2018 soll eine frühere Tradition wiederbelebt werden: die "Beobachtungsabende für Mitglieder mit und ohne Fernrohr". Angeboten werden 3 bis 4 Termine (und evtl. Ersatztermine), bei denen sich unterschiedlich erfahrene bzw. ausgerüstete Sternfreunde zusammenfinden können – wenn erforderlich unter Anleitung zweier Vorstandsmitglieder. Wir erwarten uns dadurch bessere Kontakte innerhalb des Vereins und vielleicht auch neue Ideen.

Manche Besitzer von Garten- oder Dachsternwarten bieten Beobachtungen im kleinen Kreis an und ergänzen so das Angebot der zwei Wiener Volkssternwarten. Einige stellen sogar mehrmals jährlich – insbesondere am "Tag der Astronomie" – ihre Teleskope auf geeigneten öffentlichen Plätzen auf und freuen sich über Zufallsgäste. Das langjährige Mitglied Peter Reinhard zeigt auf einem Hügel im 15. Wiener Bezirk interessierten Passanten allmonatlich die Mondkrater und helle Planeten.

Auf meiner eigenen Dachsternwarte habe ich bisher zwar viele Beobachtungsabende für die Hörer meiner Astronomie- Vorlesung an der TU Wien gehalten. Seit ich im Juni 2017 neuer Vorsitzender wurde, freue ich mich aber darauf, auch andere Besucher einzuladen.

Weitere Projekte des Astrovereins

Schon seit vielen Jahren läuft eine Reihe loser Amateurprojekte, für die es auch Leihfernrohre des Vereins gibt. Beliebte Themen sind periodische Meteorströme und Feuerkugeln (Download des Meteor-Fragebogens zur genauen Dokumentation), sowie Sternbedeckungen durch den Mond. Letztere können bei streifenden Bedeckungen und Genauigkeiten < 0,1 Sekunden das Mondrandprofil auch heute noch verbessern. Die Teilnahme an diesen Beobachtungen – die im Astronomischen Büro gesammelt werden – hat in den letzten Jahren abgenommen, soll aber durch den nunmehr monatlichen Newsletter gesteigert werden.

Astronomische Phänomenologie wird gelegentlich bei Finsternissen oder für heliakische Aufgänge heller Sterne betrieben. Einige Mitglieder beobachten den Lichtwechsel Veränderlicher Sterne und kooperieren z.T. mit der VdS-Spezialgruppe. Herbert Smutek betreute bis vor einigen Jahren ein kleines Projekt zur Bahnverbesserung der Jupitermonde I bis IV anhand ihrer Konjunktionen und gegenseitigen Verfinsterungen. Eine österreichweite Arbeitsgruppe zum Thema Lichtverschmutzung befindet sich in Planung.

Vor etwa 10 Jahren wurde ein Planeten-Wanderweg entlang der Außenmauer des Naturschutzgebiets Lainzer Tiergarten angelegt. Er ist 6 km lang und veranschaulicht die Planeten und ihre Bahnradien im "planetaren Maßstab" 1 : 1 Milliarde. Beim Startpunkt (Wien 13, Ende der Wittgensteinstraße) trägt die Mauer ein detailreiches Sonnenfoto 140 x 140 cm von Hans Bernhard. Wer mit 4-facher Lichtgeschwindigkeit (d.h. 4,3 km/h) geht, erreicht den 12 cm großen Saturn (Ring 28 cm) nach 20 Minuten und den Neptun (beim Laaber Tor) nach einer Stunde. Die Spenderrollen befüllt der Kurator Gerhard Huber regelmäßig mit doppelseitigen Beschreibungen des Sonnensystems. Die Asteroiden auf der Tafel bei 280 m halten allerdings manche Wanderer für "Fliegenschiss" und wollen sie unbedingt wegwischen.

Instrumentell gut ausgerüstete Amateurastronomen im Waldviertel und im Salzkammergut betreiben Präzisions-Astrometrie von Kometen und Asteroiden, deren Ergebnisse an die internationalen Datenzentren gehen. Hier werden beachtliche Genauigkeiten bis zu 0,1" erzielt, worüber auch im "Sternenboten" und an manchen Referatabenden berichtet wird. Astrofotografen können ihre Bilder für einige Zeit im Schaukasten des Sterngartens ausstellen.

Arbeitsgruppe Sonnenuhren

Eine sehr rege Arbeitsgruppe ist damit befasst, die etwa 4.000 öffentlich zugänglichen "ortsfesten Sonnenuhren" Österreichs ausführlich zu dokumentieren. Neben technischen Details und dem (sehr vielfältigen) Funktionsprinzip wird auch die Stabilität, Genauigkeit und die Entstehungsgeschichte erfasst. Das umfangreiche Verzeichnis (incl. CD) wird bald in 4. Auflage erscheinen, zweimal jährlich gibt es die Schriftenreihe "Sonne und Zeit". Die Gruppe veranstaltet regelmäßige 2-tägige Jahrestagungen in verschiedenen Teilen Österreichs, zu der auch immer Fachleute aus dem Ausland kommen. Angeschlossen ist eine Exkursion zu den interessantesten Sonnenuhren der jeweiligen Region. Der Mitgliedsbeitrag der Arbeitsgruppe beträgt 25 Euro.

Forschung

Ein Forschungs-Schwerpunkt des Vereins ist seit seiner Gründung die Meteorastronomie. Dafür wurde 1990 eine fotografische Feuerkugelstation bei Martinsberg im nördlichen Niederösterreich errichtet und 2009 automatisiert, finanziert durch mehrere Spendenaktionen und öffentliche Subventionen. Die Rundsichtkamera wurde 2015 durch eine noch genauere Digitalkamera ersetzt.

In Kooperation mit der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und deren 8 Feuerkugelstationen ist es nun möglich, von jedem helleren Boliden mehrere Lichtkurven aufzuzeichnen, die chemische Zusammensetzung zu ermitteln und eine genaue Bahn abzuleiten. Dadurch konnte z.B. 2017 ein neuer Zweig des Meteorstroms der Tauriden entdeckt werden.

Die ältere Kamera dient nun für Sonderzwecke. Ihre Auflösung ist aber wesentlich besser als das Bild rechts einer 7 Sekunden langen Leuchtspur vom Mai 2006.

Der Verein fördert auch die Amateur-Beobachtung von Sternschnuppen durch einen speziellen "Meteor-Fragebogen". Für die so ermöglichten Bahnbestimmungen hatte Prof. Thomas schon 1907 das "Astronomische Büro" gegründet. Es dient bis heute der Öffentlichkeit und dem Verein als fachliche Anlaufstelle und gibt seit über 50 Jahren die Monatsschrift "Der Sternenbote" (im Versand-Abonnement 18 €) heraus.

Ein an der Universitäts-Sternwarte Wien tätiges Mitglied, Ing. Rudolf Pressberger, errichtete 1990 bei Klosterneuburg die nach seinem Chef benannte "Purgathofer- Sternwarte". Die 5-Meter-Kuppel mit RC-Teleskop 100 / 890 cm ist das zweitgrößte Observatorium Österreichs. Mit einem hochpräzisen Fotometer und einer sehr empfindlichen CCD-Kamera der TU Wien diente es bis zum frühen Tod Pressbergers der Forschung. Wie der ÖAV die Privatsternwarte wieder nützen kann, ist derzeit offen.

Pressberger entwickelte auch die "Österreichische Präzisionsmontierung", eine Gabelmontierung für Teleskope bis 50 cm Öffnung, deren Baupläne beim Astronomischen Büro zu beziehen sind.

Kooperationen

Der Österreichische Astronomische Verein kooperiert mit einigen regionalen Gruppen – etwa bei Exkursionen, bei besonderen Himmelsereignissen und an den jährlichen Astronomietagen. Er bietet anderen Vereinen Referenten für Fachvorträge (Bild links) und Vereinsabende, was auch die gegenseitige Vernetzung fördert.

Über die Monatsschrift "Sternenbote" konnte mancher junge Sternfreund ein günstiges Teleskop von älteren Beobachtern übernehmen. Viele Mitglieder nützen auch günstige Beobachtungsstationen fern jeder Stadt, wo im Ötscherland (Bild links: Astrostation Hochbärneck), im Salzkammergut oder auf Kärntner Almen der tiefschwarze Himmel über 3.000 Sterne zeigen kann.

Als achtzöllige Spiegelteleskope noch keine Massenprodukte und daher kaum erschwinglich waren, gab Hermann Koberger Spiegelschleifkurse, bei denen hunderte hochpräzise Teleskopspiegel um wenig Geld, aber mit viel Gemeinschaftserlebnis entstanden.

Seine neue Privatsternwarte auf Teneriffa mit selbst geschliffenem 60 cm-Spiegel gibt zwar nur selten Führungen, doch sendet Koberger dem Astronomischen Büro immer wieder wunderbare Himmelsaufnahmen.

Seit den 1980er-Jahren fanden 25 "Sternfreunde-Seminare" zu Themen der beobachtenden Astronomie, die allen Hobbyastronomen offen standen. Die Referate und Praktika hielten Vereinsmitglieder unter Leitung von Prof. Mucke; ihre 100 bis 200 Seiten starken Dokumentationen sind für Interessenten weiterhin erhältlich. Das mit dem Verein eng verbundene Astronomische Büro publiziert alljährlich den "Himmelskalender" für Österreich und einen Tierkreis-Planetenkalender. Ein über das klassische Werk von Theodor Oppolzer weit hinaus gehender "Canon der Sonnenfinsternisse" (-2003 / +2525) sowie der Mondfinsternisse erschien in 3 Auflagen, ferner einige Monografien und der "Astronomische Kurzkalender 2001-2051". Zur Unterstützung der Sternführungen gibt es von H. Mucke die "Himmelskunde im Freiluftplanetarium Wien" mit kleinem Sternatlas, monatlichen Sternkarten und Beobachtungsanleitungen.

Kontakte

Der Österreichische Astronomische Verein hat seine Mitglieder im ganzen Staatsgebiet. Er ist zwar kein Dachverband, doch trachte ich, die Vernetzung der vielen regionalen Astrovereine zu verbessern (die größten mit etwa 200 Mitgliedern sind in Wien, Linz, im Salzkammergut und in Kärnten). Unsere Kontaktadresse ist oesterr.astroverein@gmail.com. Die Homepage (http://astronomisches-buero-wien.or.at/av.htm) wird gerade erneuert, die der Sonnenuhrgruppe ist http://gnomonica.at.

Literatur

Seite erstellt am 23.Feb.2018