Professor Hermann Mucke -- ein Achtziger

Genau seit siebenundfünfzig Jahren mehr als ein halbes Jahrhundert lang flattert uns allmonatlich "Der Sternenbote" ins Haus, die wohlbekannte astronomische Zeitschrift, die untrennbar mit dem Namen Mucke verbunden ist. Wen kann es da wundern, dass auch der Herausgeber dieses Blattes einmal seinen achtzigsten Geburtstag erreicht. Für die Leser des Sternenboten und für die vielen, die im Astronomischen Verein, im Astronomischen Büro sowie durch zahlreiche andere Kontakte mit Professor Mucke verbunden sind, ist das jedenfalls ein Anlass die Verdienste des Jubilars für die Astronomie zu würdigen. Es ist nicht leicht ein so erfülltes Leben auch nur annähernd vollständig darzustellen. Trotzdem gibt mir meine jahrzehntelange Bekanntschaft und Zusammenarbeit das Recht dies zu versuchen und seine wichtigsten Daten und Arbeitsbereiche wenigstens auszugsweise aus meiner Sicht zu beschreiben.

 

 

Hermann Mucke, geboren am 1. März 1935 in Wien, stammt aus einer recht engagierten Familie: Sein Vater war Notar in Wien und sein Großvater Dipl.Ing., beides gute Voraussetzungen für eine präzise Lebensführung. Nach der Grund- und Mittelschule begann er das Studien der Technischen Physik an der TU Wien. Aber noch vor dessen Abschluss stieg er auf eine beschäftigungsreiche Volksbildungsarbeit um, die ihn voll in Beschlag nahm. Als Gasthörer an der Universitäts-Sternwarte bei Prof. Josef Hopmann und als Privatschüler bei Prof. Oswald Thomas erwarb er sich einerseits Grundkenntnisse in Astronomie und Didaktik, anderseits wurde ihm bereits 1954 die Leitung der Astronomie auf dem Flakturm Esterhazypark der Volkshochschule Wien-West anvertraut. Während seiner achtjährigen Tätigkeit betreute er dort mit Amateurgeräten und einem selbstgebauten Heliostaten (40 cm Sonnenbild) in fast 1200 Veranstaltungen mehr als 31000 Gäste.

Schon 1962 wurde ihm von der Magistratsabteilung 7 der Stadt Wien die Leitung des im Bau befindlichen Planetariums angeboten, die er freudig annahm. Nach intensiven Vorbereitungsarbeiten und der Erstellung neuer längerfristiger Programme konnte das Planetarium im Sommer 1964 feierlich eröffnet werden. In den darauf folgenden Jahren wurde der Führungsbetrieb mit Hilfe freiwilliger Mitarbeiter, die er selbst eingeschult hatte, weiter vervollkommnet. Mucke beschäftigte sich praktisch und theoretisch ausführlich mit dem Zeiss-Planetariumsprojektor, den er immer besser beschreiben und benützen konnte. So entstand die Arbeit "Das Planetarium als Astronomische Analogrechenanlage", publiziert in den Annalen der Wiener Universitäts-Sternwarte, Band 27. Während dieser aktiven Zeit im Planetarium entstanden auch zahlreiche Arbeiten über das Gebiet der Astronomischen Phänomenologie, das Mucke bis in die neueste Zeit in allen möglichen Facetten behandelte und so zu einem neuen Höhepunkt führen konnte. Seine internationalen Kontakte ermöglichten, dass er als Sekretär und dann für zwei Perioden als Präsident des Internationalen Planetariumskongresses wirken konnte.

In den 1970er Jahren begann eine Phase fruchtbarer Publikationstätigkeit, die wesentlich zu Muckes wissenschaftlichem Renommee beitrug: Zunächst erschien ein Katalog "Helle Kometen -286 bis +1950", der bis 1992 insgesamt drei Auflagen erlebte, ein auch für historische Zwecke brauchbares Nachschlagewerk. -
Sehr qualifiziert waren die von 1973 bis 2000 jährlich durchgeführten Sternfreundeseminare. Das waren spezielle Vortragspapiere mit Formeln und Beispielen, worin von jungen Mitarbeitern oder Gästen einzelne Kapitel der Astronomie (besonders auch der Phänomenologie) ausführlich und verständlich dargestellt worden sind.
Von größter Bedeutung sind aber die Finsterniskataloge, die er mit dem Belgier Jean Meeus in enger langjähriger Zusammenarbeit herausbrachte. Bekanntlich galt Wien vor allem durch die Arbeiten von Professor Theodor von Oppolzer als Mekka für die Berechnung der Finsternisdaten (Oppolzer, "Canon der Finsternisse", 1887). Jetzt aber erfolgte in kurzen Abständen die verbesserte Ausgabe der nunmehr in Mond- und Sonnenfinsternisse getrennten Bände, nämlich der "Canon of Lunar Eclipses, -2002 to 2526" dritte Auflage 1992, und des "Canon of Solar Eclipses, -2003 to +2526", dessen zweite Auflage ebenfalls 1992 erschien. Zahlreiche Wissenschaftler haben inzwischen diese Werke für ihre Untersuchungen benützt.

An dieser Stelle muss endlich gesagt werden, dass Herr Mucke neben der Publikation der erwähnten Monographien schon früh mit der Herausgabe periodischer Schriften begann, seit 1958 mit dem Sternenboten, dessen jahrzehntelange präzise Erscheinungsweise alle Bewunderung verdient. Hier werden unter anderem österreichische und weltweite Himmelsereignisse aufgezeigt, Beobachtungshilfen gegeben (Kometen, Kleinplaneten, Veränderliche, Finsternisse usw.), neue Forschungsergebnisse und Bücher besprochen und sogar Originalarbeiten veröffentlicht. All das kann hier nicht ausführlicher behandelt werden, auch nicht die jährlich erscheinenden und von der Stadt Wien geförderten Jahrbüchlein "Österreichischer Himmelskalender" mit einer jeweiligen Vorschau astronomischer Ereignisse.
Am besten schaut man sich diese Dinge einfach an.

 

Auch die praktische Tätigkeit Muckes dürfen wir nicht vergessen. Nach der Übernahme des "Astronomischen Büros" von Prof. Oswald Thomas (1963), dessen Name ("astbuero")) heute die zentrale Verwaltungstätigkeit markiert, wurden die vielfach noch von diesem geplanten Unternehmungen realisiert und in erweiterter oder verbesserter Form fortgesetzt. Dazu kam, dass Herrn Mucke 1971 auch die Leitung der Urania-Sternwarte übertragen wurde. Mit Hilfe einer "Sternenboten-Spendenaktion" gelang es ein altes Passageninstrument zu revitalisieren und für wissenschaftliche Positionsbestimmungen einzusetzen.
Im Jahre 1980 war es durch Unterstützung von Ing. Rudolf Pressberger möglich ein für die Bildungsarbeit in der Großstadt interaktiv arbeitendes Doppelfernrohr zu bauen, das sich sehr bewährte und über 20 Jahre lang eine bedeutende Steigerung der Besucherzahl der Urania Sternwarte zur Folge hatte.
Das Jahr 1985 sah die Verfassung und Ausarbeitung eines 6-teiligen Fernkurses der Stadt Wien und des Verbandes Wiener Volksbildung sowie der Broschüre "Das Zeiss Planetarium der Stadt Wien und die Wiener Urania Sternwarte" im Bundesverlag.

Doppelfernrohr der Urania-Sternwarte mit Kuppelprojektionsanlage, hier Sternbedeckung aus URANIASTAR Passageninstrument mit Horrebow-Zusatz

 

Des Weiteren erarbeitete Mucke noch die von ihm eingeführten Astronomischen Kurzkalender, eine neuartige Darstellung der wichtigsten Kalenderdaten auf je einer A4-Seite pro Jahr, die es in zwei Bänden von 1900 bis 2000 und von 2001 bis 2051 gibt.
Zu guter Letzt erreichte er nach langer sorgfältiger Vorbereitung und heiklen lokalpolitischen Verhandlungen, dass die ursprünglich von Professor Thomas ersehnte, aber erst von ihm (Mucke) modifizierte und durchgeplante Errichtung einer Freiluftanlage Wirklichkeit wurde. Am 9. Oktober 1997 konnte schließlich der Sterngarten Georgenberg als Freilichtplanetarium bei der Wotruba-Kirche in Wien-Mauer feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Dieser auch "Klein-Stonehenge" genannte Bau kann bei Führungen oder bei Privatbesuchen mit Hilfe aufliegender Begleitbändchen für jedermann zur Himmelsbeobachtung benützt werden. Die Anlage, nach wie vor unter Betreuung Muckes, ist ein wertvoller Beitrag zum astronomischen Unterricht.


Freiluftplanetarium Sterngarten Georgenberg Axonometrie Dipl.Arch.Holzhacker)


Professor Hermann Mucke im Sterngarten

 

Der schon von Professor Thomas gegründete Astronomische Verein betreibt seit jeher Meteorwissenschaft: Die Sammlung von visuellen Sternschnuppenbeobachtungen bis hin zu modernen objektiven Messungen. Dazu gehört das letzte große von Mucke geplante Projekt, die vollautomatische Meteorkamera in Oed bei Martinsberg im Waldviertel. Sie wird seit 2009 gemeinsam mit dem Astronomischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften betrieben. Bisher wurden schon fast 18 Feuerkugeln erfasst und bahnmäßig ausgewertet. Unter Mithilfe mehrerer Sponsoren sind auch weiterhin gute Ergebnisse zu erwarten.


Vollautomatische Meteorstation in Oed bei Martinsberg NÖ (Aufnahme: Dr.dent.G.Janu)


Von links nach rechts Dr.dent G.Janu, Min.Rat Dr.D.Weselka, Mag.Ruth Mucke und Prof.H.Mucke

 

So wurden denn auch die Verdienste Hermann Muckes für die Volksbildung schon 1985 durch die Verleihung des Titels Professor gewürdigt. Vor seiner Pensionierung im Jahr 2000 wurde auf Vorschlag von Professor V. Abalakin der Kleine Planet Nr. 7074 durch die Internationale Union "Muckea" benannt, eine gebührende Ehrung.
Die unerhörte hier beschriebene Arbeitsleistung des Gefeierten wäre wohl nicht möglich gewesen, wenn Hermann Mucke nicht durch seine energische Frau, Oberstudienrätin Mag. Ruth, unterstützt worden wäre. Man kann dem glücklich verheirateten Ehepaar und heute besonders dem Jubilar nur wünschen, dass beide in Gesundheit und Freude auch weiterhin der schönen Wissenschaft der Astronomie verbunden bleiben:
AD MULTOS ANNOS !

Em. O. Univ.-Prof. Dr. Hermann Haupt


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