Totale Mondfinsternis in der Nacht vom 3. auf den 4.März 2007 (Sa/So)

Das Wetter bot in Österreich wenige Beobachtungsmöglichkeiten. Die angegebenen Uhrzeiten sind UT, die Finsternisgrößen sind nach der Schattenvergrößerung von Danjon angegeben. Diese stellt gegenüber der traditionellen von 1/50 die geometrischen Verhältnisse richtig dar.

Hermann Koberger, Sternwarte Vilaflor, Tenerife (Südstation)

Begünstigt vom Wetter, entstanden mit Refraktor 15/180cm und Canon D10/100 ASA bei Belichtungszeiten von 1/100sec bis 4sec 426 Bilder im Abstand von rund ein bis zwei Minuten. Für alle sind auch die Uhrzeiten bekannt und dank ihrer Schärfe und deutlich definiertem Schattenrand erlauben sie die Ermittlung von Schattenkontakten heller, punktförmiger Krater (Meßpunkte des "Neuen Systems" von A.Rükl, Prag). Die wissenschaftliche Auswertbarkeit in dieser Hinsicht belegen z.B. zwei herausgegriffene Bilder um 0h33 und 0h34. Zusätzlich ließ sich aus dieser großen Bilderreihe an entsprechend belichteten Bildern die erste teleskopische Spur des Halbschattens um 20h55 (Größe 0,558 im Halbschatten) und damit der teleskopische Finsternisbeginn feststellen. Wie erwartet, liegt er deutlich vor Beginn der Freisicht um 21h04.

Peter Reinhard, AJC, Richard Wagner Platz 2, Wien 16

Gegen 23h50 war der Mond kurz frei; ich schätzte die Finsternis etwa L = 2 auf der Danjon-Skala. Mit Spiegel 12,5/150cm gewann ich Aufnahmen um 23h53 und 0h02, 1s auf Fujichrome Provia 400.

Dipl.Ing.Johannes Schedler, Panther Observatory, Wildon ST

Im Primärfokus des Cassegrain-Teleskops 40,6/122cm mit CCD-Kamera SBIG STL-11000M bei -25°C und internem Filterrad, Filter Astronomik LRGB, entstand eine Aufnahme in der Mitte der Totalität um 23h30. Belichtung: L:R:G:B = 5:5:5:5sec für Mond (5sec Teilbelichtungen) und L:R:G:B = 120:60:60:60sec (60sec Teilbelichtungen) für Hintergrund, der nicht nur viele Sterne, sondern auch die Spiralgalaxie PGC 33058 zeigt. Bearbeitet mit Maxim; Schichtung, Farbbalance u. unscharfe Maskierung mit Photoshop. Sehr klar, große Unruhe. Astronomical Picture of the Day 07 03 08.

Markus Vertesich, Stegersbach, BL

Mit Newton 20/100cm und Canon EOS 400D entstand eine 13-teilige Aufnahmereihe. Belichtung (immer ISO 100): Aufnahmen 1-5, 1/1250sec / 6, 1/800 / 7, 1/640 / 8, 1/500 / 9, 1/500sec / 10, 1sec, 11, 2,5sec / 12, 3,2sec, 13, 4sec. Danach Abbruch wegen Wetterlage. Uhrzeiten und Größen im Halbschatten: Das Bild Nr.3 um 20h53 zeigt den Halbschatten angedeutet (0,528), Nr.4 um 21h00 zeigt ihn deutlich (0,633) und Nr.5 zeigt ihn um 21h17 sehr klar (0,888). Der teleskopische Beginn der Finsternis folgt zu 20h53 (0,528).

Wolfgang Vollmann, Wien 21 Stammersdorf

Die erste Spur des Halbschattens war durch dünne Wolken mit freiem Auge um 21h52 zu vermuten (Größe 0,513 im Halbschatten). Um 21h56 war eine Verdunklung durch den Halbschatten erkennbar (Größe 0,573 im Halbschatten). Ich glaube, daß die dünnen Wolken das Monddetail undeutlicher machten und die Helligkeitsverteilung auf der Mondscheibe besser zu beurteilen war. Um 23h40, nach Finsternismitte, zeigte der Mond mit freiem Auge einen schmalen gelben Rand, Richtung Kernschattenrand und eine ziegelrote bis rostrote Färbung gegen die Kernschattenmitte. Mondmeere waren durchaus zu sehen, wenn auch undeutlich. Die Finsternis war also recht hell. Wenn ich die Brille abgenommen habe (ich bin recht kurzsichtig), um Mond und Sterne flächig zu bekommen, erschien der Mond um mehrere Größenklassen heller als Regulus und Saturn. Auf der Danjon-Skala schätzte ich L = 3.

Mag.Thomas Weiland, nahe Markt Allhau im Lafnitztal, BL

Die Wetterlage ließ mich um 20h30 von Wien aufbrechen und ich fand nahe dem Markt Allhau (BL) nur noch Wolkenfetzen. Gerade komme ich noch zurecht, mein Fernglas 7x50 auf dem Stativ zu montieren, als um 22h44,5 ± 0,5min das letzte Sonnenlicht auf dem Mond verblaßt. In Richtung Kernschattenrand dominieren blaugraue bis leicht violette Farbtöne, gegen das Zentrum wirkt der Mond ziegel- bis kupferfarben verfärbt. Weniger lebendig erscheint die Farbpalette dem freien Auge, aber auch hier ist ein helles, gelbgraues Segment, das den Mond wie eine Kappe bedeckt, zu erkennen. Die Helligkeit schätze ich ohne Brille (ich bin ca.4 Diopt. kurzsichtig) auf etwa -3,5mag.- Gegen 23h05 ist die Helligkeit auf -3,0 gesunken und das vormals auffällige Segment einer matten, gelbgrauen Zone gewichen. In Richtung Kernschattenrand finden sich Kupferfarbtöne unterschiedlicher Intensität. Trotz nahem Ort liegt die Sterngrenzgröße bei +5,9mag.- Gegen 23h20, kurz vor Totalitätsmitte, ist die Mondhelligkeit bei etwa -2,5 angelangt. Da, von dem erwähnten Segment abgesehen, die Mondscheibe dunkel kupferfarben erscheint bzw. die Meere nur unklar hervortreten, bewerte ich die Helligkeit der Finsternis nach Danjon mit L = 2,5.- Bei Annäherung an den Kernschattenrand wird das gelbraue Segment zunehmend breiter. Um ca.23h45, Helligkeit ca. -3,2mag, erscheint etwa 1/3 des Mondes aufgehellt, der Rest verharrt in Kupferfarbe. Im 7x50 ist erkennbar, daß das gelbgraue Segment nunmehr die Mare Frigoris, Imbrium und Humorum sowie den gesamten Oceanus Procellarium umfaßt. Daran anschließend findet sich eine relativ düstere Zone, die vom Mare Serenitatis über Sinus medii bzw. Aestuum bis zum mare Nubium und Palus Epidemiarum reicht.- Gegen 23h55 ist die Mondhelligkeit auf -3,8 angewachsen und der kupferfarbene Bereich auf ein kleines Gebiet im Südwesten geschrumpft. Das Ende der Totalität kann ich im 7x50 schließlich zu 22h58,0 ± 0,5min bestimmen. Ich verfolge noch nach und nach die Kernschattenphasen vor der Heimfahrt. Meine 13. totale Mondfinsternis war ein eindrucksvolles Erlebnis!

Das Totalitätsbild von Dipl.Ing.J.Schedler, die Bilderreihe von M.Vertesich und die Bilder 0h33 und 0h34 aus der Reihe von H. Koberger sind im Schaukasten des Freiluftplanetariums an der Ecke Ryser-/Georgsgasse in Wien 23 öffentlich ausgestellt.

Aus dem Sternenboten 4/2007.


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